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Was machen Bienen eigentlich im Winter?

Wenn die Temperaturen sinken und die Natur zur Ruhe kommt, stellt sich für viele die Frage: Was machen Bienen eigentlich im Winter?
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme halten Honigbienen keinen Winterschlaf. Stattdessen haben sie eine beeindruckende Strategie entwickelt, um die kalte Jahreszeit als Volk zu überleben.

Kein Winterschlaf, sondern Wintertraube

Sobald die Temperaturen dauerhaft unter etwa 10 °C fallen, ziehen sich die Bienen in ihre Beute zurück und bilden eine sogenannte Wintertraube. Dabei sitzen die Bienen dicht beieinander und umschließen die Königin im Inneren der Traube.

Die äußeren Bienen dienen dabei als eine Art Isolierschicht, während sich die Bienen im Inneren durch ständiges Zittern ihrer Flugmuskulatur warmhalten. So entsteht im Kern der Traube eine Temperatur von etwa 20 bis 25 °C, bei Bedarf – etwa zum Schutz der Königin – sogar noch höher. Die Bienen wechseln regelmäßig ihre Position, damit keine einzelne Biene auskühlt.


Energie aus dem Winterfutter

Da es im Winter keine Blüten gibt, können die Bienen keinen Nektar sammeln. Sie leben ausschließlich von den Futtervorräten, die sie im Sommer und Herbst angelegt haben – ergänzt durch das Winterfutter, das der Imker im Herbst zufüttert.

Dieses Futter (meist Zuckerlösung oder Futterteig) sichert das Überleben des Volkes bis zum Frühjahr. Deshalb ist eine ausreichende und rechtzeitige Auffütterung im Herbst für den Imker besonders wichtig.


Ruhe ist überlebenswichtig

Im Winter gilt für die Bienen vor allem eines: möglichst ungestört bleiben. Jede Erschütterung oder unnötige Kontrolle führt dazu, dass die Wintertraube aufbricht und Energie verbraucht wird – Energie, die im Frühjahr fehlen kann.

Aus diesem Grund öffnet der Imker die Beuten im Winter nicht und beschränkt sich auf äußere Kontrollen, zum Beispiel ob der Flugbetrieb frei ist oder Schäden an der Beute sichtbar sind.

Varroa-Behandlung im brutfreien Volk

Ein wichtiger Eingriff erfolgt meist im Dezember, wenn das Bienenvolk brutfrei ist: die Varroa-Behandlung.
Die Varroamilbe gilt als der größte Parasit der Honigbiene und kann unbehandelt ganze Völker zum Zusammenbruch bringen.

In der brutfreien Zeit kann sie besonders effektiv bekämpft werden, häufig mit einer Behandlung auf Basis von Oxalsäure. Oxalsäure ist eine natürlich vorkommende organische Säure, die in sehr geringer Konzentration auch im Bienenvolk selbst nachweisbar ist. Zudem kommt sie in verschiedenen Pflanzen vor, unter anderem im Klee oder im Rhabarber.

In der Imkerei wird Oxalsäure in exakt dosierter Form eingesetzt. Bei sachgemäßer Anwendung schädigt sie die Bienen nicht, wirkt jedoch zuverlässig gegen die Varroamilbe. Diese Winterbehandlung ist ein wichtiger Baustein für die Gesunderhaltung des Bienenvolkes und für einen guten Start ins neue Bienenjahr.

Gefahren im Winter: Mäuse und Spechte

Neben Kälte und Parasiten drohen den Bienen im Winter auch andere Gefahren. Mäuse suchen gerne Schutz und Wärme und nisten sich mitunter in Beuten ein, wenn diese nicht ausreichend gesichert sind. Deshalb bringen Imker im Herbst Mäusegitter an.

Auch Spechte können problematisch werden: Sie versuchen manchmal, die Beute aufzupicken, um an die Bienen zu gelangen. In gefährdeten Gegenden helfen Schutznetze oder spezielle Abdeckungen.


Kurz gesagt: Ein gut organisiertes Überleben

Der Winter ist für ein Bienenvolk eine Zeit der Ruhe, aber keineswegs der Untätigkeit. Durch die Bildung der Wintertraube, den sparsamen Umgang mit Energie und die Versorgung mit Winterfutter gelingt es den Bienen, mehrere Monate Kälte zu überstehen.

Mit der richtigen Vorbereitung durch den Imker – ausreichende Futterversorgung, Varroa-Bekämpfung und Schutz der Beute – legen die Bienen im Winter bereits den Grundstein für ein starkes und gesundes Frühjahr.

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